Wo sich Fach­kom­pe­tenz und Hobby treffen, entstehen Symbiosen mit einem weit­rei­chenden Blick für’s Detail. Als TramSim für den PC erschien, mußte ich es mir näher anschauen. Mein Feedback führte schließ­lich dazu, daß ich im Beta-Test-Programm auf­ge­nommen wurde. Doch dabei sollte es nicht bleiben.

TramSim? Kann man das essen?

TramSim ist eine Nah­ver­kehrs­si­mu­la­tion für den PC und erschien bereits Ende 2020. In TramSim übernimmt man die Rolle eines Stra­ßen­bahn­fah­rers und begibt sich dabei quer durch ein äußerst detail­ge­treu nach­ge­bil­detes Wien. Inzwi­schen stehen 3 ver­schie­dene Stra­ßen­bahn­typen zur Verfügung, die das Wiener Stadtbild über Jahr­zehnte geprägt haben und noch prägen werden.

Zwei Stadtbahnen am Wiener Burgtheater
Zwei Stadt­bahnen auf der Linie 1 am Wiener Burg­theater

Obwohl man in früheren Simu­la­ti­ons­spielen es auch schaffte, Stra­ßen­bahnen fahrbar zu machen, so blieb ein rea­li­täts­naher Fahrspaß dann doch irgendwie aus. Nach unzäh­ligen Simu­la­tionen für nahezu alles Mögliche, blieben die Stra­ßen­bahnen lange Zeit außen vor. TramSim schließt endlich diese Lücke. Mit moderner Grafik und sogar der Mög­lich­keit, VR-Brillen beim Fahren zu verwenden, fühlt sich TramSim auch sehr real an.

Mit meinem nie erfüllten Berufs­wunsch liegt es auf der Hand, daß TramSim für mich DIE Simu­la­tion ist. Am Tag der Ver­öf­fent­li­chung gekauft, her­un­ter­ge­laden, instal­liert und gestartet. Es dauert nicht lang, bis mir die ersten Details auf­ge­fallen sind, die so einfach nicht stimmen konnten. Der Her­steller bittet auf seiner Produkt-Webseite explizit um Feedback. Prima, Challenge accepted!

Von den Anfängen der Beta-Tests

Kaum ein Tag verging, an dem ich nicht eine E‑Mail an den Support schickte und meine Eindrücke mitteilte. Es waren oft nur Klei­nig­keiten, aber die stören irgendwie immer am meisten. Es dauerte nicht lang, bis ich eine Antwort erhielt und gefragt wurde, ob ich im Beta-Test-Programm teil­nehmen möchte. Na logisch! Einladung ange­nommen!

Während viele Spiele und Anwen­dungen für den PC kaum Updates erhalten, wird TramSim kon­ti­nu­ier­lich weiter ent­wickelt. Regel­mä­ßige Updates kor­ri­gieren Fehler und erweitern den Funk­ti­ons­um­fang. Beta-Tests sind für viele ver­lockend, bekommt man doch Zugriff auf unver­öf­fent­lichtes Material. Aller­dings ist dieses Privileg auch mit einem erheb­li­chen zusätz­li­chen Zeit­auf­wand verbunden, denn es muß vor geplanten Updates Vieles mehrfach getestet werden – das meiste auch noch sehr kurz­fri­stig. In TramSim habe ich so in rund einem halben Jahr knapp 200 Stunden verbracht! Mal wirklich eine Runde Stra­ßen­bahn fahren, ohne etwas zu testen, geriet dabei mächtig in den Hin­ter­grund. Spaß macht es aber trotzdem!

Testfahrten in TramSim

Die ange­nehmen Momente als Beta-Tester: Eine Testfahrt mit einem neuen Fahrzeug, welches vor der Ver­öf­fent­li­chung diversen Tests stand­halten und sowohl optisch als auch funk­tional den gesetzten Maßstäben ent­spre­chen muß. Ein obli­ga­to­ri­sches Foto-Shooting darf dabei natürlich auch nicht fehlen, wenn unser ULF A schon so schick und sauber unterwegs sein darf. Das Team von ViewApp hat auf Facebook noch ein paar weitere der ent­stan­denen Schnapp­schüsse ver­öf­fent­licht.

Bis hin zu frei­wil­ligen Zuar­beiten

Schließ­lich mußte es irgend­wann dann doch geschehen: Ich bin stutzig geworden, warum die seit­li­chen Anzeigen der Flexity-Stadt­bahnen exakt das selbe anzeigen, wie die Anzeigen an der Front. Das ist mehr als unge­wöhn­lich. Schließ­lich räumte der Ent­wickler ein, daß die seit­li­chen Anzeigen noch gar nicht in der Simu­la­tion enthalten sind und man einfach die Anzeigen der Front ver­wen­dete. Noch kurioser: Obwohl der Her­steller täglich Feedback der Nutzer erhält, ist dieses Detail kaum jemanden auf­ge­fallen.

Ich bot meine Unter­stüt­zung an und erkläre mich bereit, die Codes für die fehlenden Anzeigen anzu­fer­tigen. Mit meinem Fach­wissen zu den Matrixan­zeigen sollte dies schließ­lich auch nicht so schwer sein. Was am Anfang nur für den Flexity recht über­schaubar war, artete im Umfang aller­dings etwas als, als später auch die ehr­wür­dige Type E2 und der ULF folgte, für die noch gar keine Codes erstellt worden waren.

Die Ziel­an­zeigen werden mit einfachen Text­da­teien gesteuert, die über­wie­gend nur 0 und 1 enthalten. Diese per Hand zu erstellen, wäre Horror. Dank ein paar nützliche Funk­tionen eines führenden Tabel­len­kal­ku­la­ti­ons­pro­gramms wird die Erstel­lung ver­gleichs­weise einfach.

Entstehung einer Matrixanzeige mit Hilfe einer Tabellenkalkulation

Mit der Auf­tei­lung in Zellen sind die 0er und 1er leichter zu bear­beiten. Die “Bedingte For­ma­tie­rung” macht sie zudem noch sehr viel leichter erkennbar. Fast wie “Malen nach Zahlen”… Und schon sieht man, wie die einzelnen Matrixan­zeigen aussehen werden.

Wozu dieser Aufwand?

Definitiv nicht, um damit reich zu werden. Die Beta-Tests sind so etwas wie eine ehren­amt­liche Tätigkeit, also ohne jeglicher Bezahlung.

Echte Stra­ßen­bahnen im echten Stra­ßen­ver­kehr fahren, ist im Zuge von Fahr­schul­fahrten leider nur noch in wenigen Städten möglich und mit enormen Kosten verbunden. Mehr ist mit meiner Sehstärke nicht möglich. Deswegen ist TramSim ist für mich mehr als eine Simu­la­tion: Es ist ein – wenn auch ein­ge­schränkter – Weg, meinen Berufs­wunsch zu erfüllen. Und dieses Erlebnis soll so rea­li­stisch wie möglich sein. Daher unter­stütze ich das Team von ViewApp sehr gern, TramSim weiter zu ver­bes­sern.

Ebenso entstand ein Repaint, nachdem das zu Grunde liegende System angepaßt wurde und getestet werden mußte. Hierbei handelt es sich um das einzig sinnvolle Repaint, welches für den (damals als einzig ver­füg­baren) Flexity möglich ist: Die spezielle grüne Farb­ge­bung, die einer der Wagen während seines Besuchs zu Test­zwecken in Graz erhielt.

Graz Repaint für TramSim

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